50 Jahre Volkswagen Golf Diesel

Wenn man aktuell auf die Webseiten von Volkswagen schaut, erblickt man überall Werbung für das 50-jährige Jubiläum des Golf GTI. Dass zeitgleich auch eine völlig andere Variante des Kompaktwagens auf den Markt kam, geht dabei fast ein wenig unter. Während die Fans schneller Rundenzeiten und per Ideallinie angefahrener Landstraßenkurven über den GTI frohlockten, rollten auch erste Exemplare des Golf mit Selbstzünder in die Händler-Showrooms. Mit anderen Worten: der Dieselmotor gelangte endlich auf die breite Bühne.

  • 50 jahre vw golf diesel
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Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, aber bis 1976 fand man den Diesel vor allem in Lastwagen, Omnibussen, landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen – und Taxen von Mercedes-Benz. Eine wirkliche Verbreitung auf den Massenmarkt der PKW hatte noch nicht eingesetzt. Hauptsächlich wohl aus dem Grund, dass die damals omnipräsenten Saugdieselmotoren die Behäbigkeit einer Wanderdüne noch unterbieten konnten und allenfalls durch ihr Spritsparpotenzial überzeugen konnten. Genau hier setzte Volkswagen letztlich erfolgreich an, denn die erst drei Jahre zurückliegende Ölkrise hatte klar aufgezeigt, dass Benzin nicht für immer kostengünstig bleiben würde. Bühne frei für den Golf D mit seinem 1,5 Liter großen Vierzylinder-Dieselmotor und anfangs 37 kW/50 PS sowie 80 Newtonmetern Drehmoment. Ja, richtig gelesen, wir bewegten uns jeweils im zweistelligen Bereich. Dafür pendelte sich die Durchschnittsverbrauchsangabe bei den Privatbesitzern je nach Fahrweise sogar unterhalb der werksseitig angegeben 6,5 Liter pro 100 Kilometer ein. Und schon dieser Wert lag zwei Liter unterhalb des gleich starken Benziners.

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Volkswagen nutzte 1976 das so genannte Wirbelkammerverfahren, um dem im Golf verbauten Dieselmotor mehr Laufruhe zukommen zu lassen. Ein heute gern vergessener Punkt war damals noch allgegenwärtig: speziell bei kalten Außentemperaturen musste der Motor vor dem Anlassen vorgeglüht werden. Ein per Zugknopf zuschaltbarer Kaltstartbeschleuniger reduzierte die Glühzeit auf 30 Sekunden. Das sparsame Grundkonzept überzeugte schnell nicht nur Privatleute, sondern auch Firmenflotten. Der Golf D eroberte beispielsweise den Fuhrpark der Deutschen Post. Im Vergleich zum Benziner lag der Grundpreis mit 10.950 DM rund 1.300 DM höher. Trotzdem wurde Volkswagen schnell zum weltweit größten Anbieter von Diesel-PKW.

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Mit der großen Modellpflege des Golf I im Jahr 1980 wächst auch der Dieselmotor auf 1,6 Liter Hubraum mit nun 40 kW/54 PS sowie 98 Newtonmetern Drehmoment an. Ein Jahr später reagierte man in Wolfsburg auf die steigenden Kraftstoffpreise und bot mit dem ‚Formel E‘ eine Variante des Golf D (übrigens auf Wunsch auch des Benziners) mit einem 3+E-Schaltgetriebe an. Der vierte Gang wurde besonders lang und damit spritsparend übersetzt und die Aerodynamik mittels der GTI-Spoilerlippe vorn verbessert. 1982 erfolgte schließlich die Weltpremiere des Golf GTD mit einem erstmals turboaufgeladenen Dieselmotor. Durch diese Technologie stieg die Leistung auf 51 kW/70 PS sowie 130 Newtonmeter. Mit 160 km/h Höchstgeschwindigkeit mussten sich die Besitzer auch nicht mehr mit der rechten Spur auf der Autobahn zufrieden geben. Auf Wunsch war nun ein 4+E-Getriebe erhältlich. In den folgenden Golf-Modellgenerationen gehörte der Dieselmotor immer zum festen Angebot. Einzig der weltweite Dieselskandal sorgte hier schließlich für einen deutlich verschlechterten Ruf dieser sparsamen und zugleich kraftvollen Triebwerke.

Bilder: Volkswagen AG