Bugatti F.K.P. Hommage

Nur wenige Monate nach dem Erstlingswerk präsentiert Bugatti bereits das zweite Unikat aus dem Programm Solitaire. Zum 20-jährigen Jubiläum des Veyron setzt man gemeinsam mit einem VIP-Kunden nicht nur diesem Hypercar, sondern auch dem kreativen Kopf hinter diesem Projekt ein würdiges Denkmal. Ohne Prof. Dr. Ferdinand Karl Piëch hätte es viele interessante Automobile nie gegeben. Der Kauf der Markenrechte und die Wiederbelebung des Herstellers Bugatti am traditionellen Standort Molsheim im Elsass war quasi die Kirsche auf der Sahne seines Lebenswerks. Mit dem F.K.P. Hommage erhält er nun eine weitere Würdigung.

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Ein kurzer Blick auf das Leben von Prof. Dr. Ferdinand Karl Piëch macht deutlich, was ich oben meinte. 1937 wurde er als Enkel von Prof. Dr. h.c. Ferdinand Porsche als drittes Kind von Anton und Louise Piëch in Österreich geboren. Nach seinem Maschinenbaustudium, das er mit einer Diplomarbeit zur Entwicklung eines Formel-1-Motors abschloss, fing er 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen an. Bereits zwei Jahre später wurde er zum Leiter der Entwicklungsabteilung, 1971 schließlich technischer Geschäftsführer. Unter seiner Führung entstanden die Kunststoff-Rennwagen 904, 906, 908, 909, 907, 910 und schließlich der in Le Mans siegfähige 917. Nachdem sich aufgrund eines Familienbeschlusses 1972 alle Mitglieder der beiden Familien Porsche und Piëch aus der Führungsetage von Porsche verabschiedeten, ging Ferdinand zu Daimler-Benz und entwickelte dort unter anderem einen Fünfzylinder-Dieselmotor. Der ungeraden Brennraumanzahl blieb er auch bei Audi NSU treu, wo er ab August 1972 als Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben anfing. Sein Weg führte ihn 1983 auf den Posten des stellvertretenden Audi-NSU-Vorstandsvorsitzenden, fünf Jahre später zum Vorstandsvorsitzenden der Audi AG (Umbenennung erfolgte 1985) und am 1. Januar 1993 schließlich zum Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG als Mutterkonzern des Ingolstädter Herstellers. Diesen Posten behielt er bis 2002, um anschließend bis 2015 den Aufsichtsrat der Volkswagen AG zu leiten. Automobile Projekte aus diesen Jahrzehnten waren der Audi 100 5E (erster PKW mit Fünfzylinder-Benzinmotor), der Audi quattro (erster deutscher Großserien-PKW mit Allradantrieb und Vorreiter für die Rallye-WM), die Entwicklung des TDI-Motors, der Dreiliter-Lupo (erster PKW mit drei Litern Durchschnittsverbrauch, der VW XL1 als (Klein-)Serienauto mit nur einem Liter Verbrauch auf 100 Kilometern, der VW Phaeton mit zugfreier Klimaanlage, sowie der Ausbau des VW-Konzerns um die Marken Seat, Skoda, Bentley, Lamborghini, Scania und Bugatti inklusive der Entwicklung von entsprechenden Markenstrategien und herausragenden Modellreihen wie dem Bentley Continental GT oder eben dem Bugatti Veyron mit seinem W16-Quadturbotriebwerk. Am 25. August 2019 verstarb Prof. Dr. Ferdinand Karl Piëch in Rosenheim.

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Über das kürzlich neu eingeführte Programm Solitaire bietet Bugatti seinen VIP-Kunden an, besondere Unikate auf Basis der jeweils verfügbaren Technikpakete zu erschaffen. Den Anfang machte der Brouillard als Kombination der aktuellsten Modelle in einem einzigartigen Coupé. Nun geht es mit dem F.K.P. Hommage in eine etwas andere Richtung weiter. Das Modell würdigt den Erfinder des neuen Bugatti-Zeitalters ebenso wie den inzwischen tatsächlich 20 Jahre alten Bugatti Veyron. Für diesen Supersportwagen legte er damals im Lastenheft an die Ingenieure eine PS-Leistung von mindestens 1.000 sowie eine Höchstgeschwindigkeit jenseits von 400 km/h fest – und erschuf damit die heutigen Hypercars. Gleichzeitig sollte das Auto auch bei niedrigen Geschwindigkeiten so einfach zu fahren sein, wie jeder normale VW Golf. Erste Tests auf den damals gängigen Motorenprüfständen hätten beinahe zur Brandkatastrophe geführt, da das W16-Triebwerk gute 3.000 PS als Wärmeenergie über den Auspuff nach außen entlässt. Der Veyron verschob also in vielerlei Hinsichten die Grenzen des Machbaren in völlig neue Sphären. Im F.K.P. Hommage kommt dieses bereits heute legendäre 16-Zylinder-Aggregat in seiner finalen Ausbaustufe mit 1.600 PS zum Einsatz – so, wie man es auch im Chiron Super Sport finden konnte. Passend dazu erhielt der Wagen auch das verstärkte Doppelkupplungsgetriebe.

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Jozef Kabaň und Hartmut Warkuß sind für das ursprüngliche Veyron-Design verantwortlich, das erstmals in Form der Studie EB18.4 Veyron auf dem Tokyo Auto Salon 1999 zu sehen war. Damals war tatsächlich noch ein 18-Zylinder-Motor in Planung, den man letztlich jedoch um zwei Brennräume reduzierte. Der heutige Bugatti Design Director Frank Heyl begann 2008 bei der Marke und skizzierte direkt zu Beginn bereits erste mögliche Weiterentwicklungen des Veyron. Diese blieben damals im Zeichnungsstadium hängen, da bereits am Nachfolger Chiron gearbeitet wurde. Nun konnte er jedoch auf diesen Entwürfen aufbauen und gemeinsam mit dem neuen Besitzer des F.K.P. Hommage gezielte Modifikationen einbauen. Tatsächlich entspricht kein einziges Karosserieteil dem originalen Veyron. Nicht einmal die Rohkarosserie stammt von diesem Modell. Stattdessen nahm das Bugatti-Team das Rolling Chassis eines Mistral und gestaltete den F.K.P. Hommage auf dieser Basis. Dennoch blieb die grundsätzliche Optik bestehen. Vorn kommt ein aus einem einzigen Aluminiumblock gefräster Hufeisenkühlergrill zum Einsatz, der seitlich von flachen LED-Scheinwerfern flankiert wird. Sowohl der Grill als auch die daneben angeordneten Lufteinlässe wurden vergrößert, um dem stärkeren Triebwerk mehr Fahrtwind zukommen zu lassen. Selbst die Radgrößen entsprechen mit 20 Zoll vorn und 21 Zoll hinten nicht mehr denen des Veyron. Auf diese Weise konnten die für den Chiron entwickelten Michelin-Reifen genutzt werden. Die Zweifarboptik entsteht durch schwarz eingefärbtes Sichtcarbon und eine rote Mehrschicht-Metallic-Lackierung. Wobei, korrekt müsste man von einem silbernen Mehrschichtlack mit rot eingefärbtem Klarlack sprechen.

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Innen gibt es im Gegensatz zu allen aktuellen Bugatti-Modellen weiterhin das im Bauhaus-Stil gestaltete, komplett runde Lenkrad des Veyron. Die metallene Abdeckung, die sich vom Getriebetunnel bis zur Oberkante des Armaturenbretts zieht, erinnert einerseits an den Veyron, erhielt jedoch diverse neue Elemente. So bestand der Kunde zum Beispiel darauf, ganz oben eine achteckige 41mm Audemars Piguet Royal Oak Tourbillon zu integrieren. Auf den Sitzmittelbahnen und Türtafeln findet sich – ähnlich wie bereits im Brouillard – hochwertiger Stoff, der exklusiv für Bugatti als ‚Car Couture‘ in Paris gewebt wird.

Der Bugatti F.K.P. Hommage debütiert kommende Woche im Rahmen der Retromobile in Paris und wird anschließend an den glücklichen neuen Besitzer ausgeliefert. Über den Preis machte Bugatti keinerlei Angaben.

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Bilder: Bugatti