Porsche 968 Turbo RS

Anfang der 1990er Jahre ging es Porsche finanziell nicht gut. Man baute zuviele unterschiedliche Modelle ohne Gleichteilepolitik und litt unter dem DM-Dollar-Wechselkurs. Daraus resultierten an vielen Stellen Notfallpläne. In der Motorsport-Abteilung führte ein solcher zur Entwicklung des 968 Turbo RS als zweites Kundensport-Rennfahrzeug neben dem 911 Carrera RSR 3.8. Insgesamt entstanden nur vier Exemplare, von denen eines dieses Jahr versteigert wird.

  • 1993 porsche 968 turbo rs
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Viele Autofans kennen den Porsche 968 einzig als Transaxle-Sportwagen mit Vierzylinder-Saugmotor, wahlweise als Coupé oder Cabriolet sowie in der geschlossenen Variante auch noch als Clubsport (CS) angeboten. Dass es darüber hinaus eine Topvariante namens Turbo S gab, ist vielfach unbemerkt geblieben. Tatsächlich gab es die straßentaugliche Variante auch nur in einer homöopathischen Dosis von 14 Fahrzeugen. Seltener blieben nur die Rennversion Turbo RS mit vier Exemplaren und die Unikate des 968 CS Cabriolets und des 968 Roadster. Und obwohl nur diese wenigen Turbo RS in Weissach komplettiert wurden, hatten die Kundenteams eine Auswahl zwischen zwei Varianten. Zur damaligen Zeit konnte dieses Rennfahrzeug beispielsweise im ADAC GT Cup oder der BPR-Serie eingesetzt werden. Beide Serien verfügten jedoch über leicht unterschiedliche Regularien. So schrieb der ADAC beispielsweise ein Mindestgewicht von 1.350 kg vor, während die BPR zuließ, den 968 Turbo RS ohne Ballastgewichte einzusetzen, wodurch das Fahrzeuggewicht auf 1.212 kg sank. Auch in Sachen Motorleistung gab es unterschiedliche Vorstellungen. In der Spezifikation für den ADAC GT Cup kam der drei Liter große Vierzylindermotor mittels eines K27-Turboladers auf 342 PS, während die BPR-Variante dank eines L41-Laders von KKK auf 355 PS Leistung gebracht wurde.

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Wie alle Rennfahrzeuge, die auf einem Straßensportwagen basieren, kam auch der 968 Turbo RS mit komplett gestripptem Interieur, das nur einen Schalensitz mit Sechspunktgurten, ein Armaturenbrett, ein Dreispeichen-Sportlenkrad und einen fest verschweißten Überrollkäfig enthielt. Im Vergleich zum Turbo S erhielt das manuelle Sechsgang-Getriebe andere Gangabstufungen und eine stärkere Kupplung. Zudem wurden die vier Fahrzeuge mit einem komplett einstellbaren Motorsportfahrwerk ausgeliefert. Die Rennhistorie und vor allem die Liste der Rennerfolge dieses Modells ist mit ‚kurz‘ sehr freundlich umschrieben. Der vom Joest Team im ADAC GT Cup eingesetzte 968 Turbo RS erzielte als Bestleistung einen vierten Platz beim Rennen auf der Avus in Berlin 1993. Ein anderes privat in der BPR eingesetztes Auto holte den gesamt sechsten Platz beim 4-Stunden-Rennen von Dijon 1994. Im gleichen Jahr setzte Seikel Motorsport einen 968 Turbo RS bei den 24 Stunden von Le Mans ein. Ein Unfall beendete nach 84 gefahrenen Runden alle Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis.

Der hier gezeigte Wagen ist der einzige in schwarz lackierte 968 Turbo RS und zugleich das letztgebaute Exemplar. 1993 stellte Porsche das Auto auf der Essen Motor Show aus. Interessanterweise erhielt dieser Turbo RS diverse Ausstattungsdetails ab Werk, die eigentlich eher zum Turbo S gehört hätten. Dazu zählen eine Alarmanlage, Felgenschlösser, Scheinwerferhöhenverstellung und Velours-Teppichen im Kofferraum. Offenbar sprang der ursprüngliche Kunde jedoch in letzter Sekunde ab. Der 968 ging im Februar 1994 an einen neuen Erstbesitzer in Norwegen, der ihn in der BPR International GT Endurance Series einsetzte. Hierfür erhielt der Wagen Zentralverschluss-Radnaben und diverse Karosserieteile aus Kevlar. Beim ersten Saisonrennen in Paul Ricard sorgte ein defektes Bauteil drei Minuten vor Ende für einen Motorschaden. In Jarama erzielte das Mulsanne Racing RSR Motorsport Team einen achten Gesamtplatz und wurde Vierter in der Klasse, gefolgt von sechsten Platz insgesamt und Platz drei in der Klasse in Dijon. Die restlichen Ergebnisse des Jahres sorgten für eine Einladung zum 24-Stunden-Rennen in Le Mans, die das norwegische Team jedoch für den 968 ausschlug und stattdessen auf einen 911 Carrera RSR 3.8 übertragen ließ.

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2008 erwarb der heutige Besitzer den Porsche 968 Turbo RS und holte ihn in die USA. Aufgrund der bereits für die Essen Motor Show aufgeklebten bunten Blasen trägt der Wagen bis heute den charakteristischen Spitznamen „Bubbles“. Bis heute zeigt er sich exakt so, wie er 1994 die Rennstrecke im spanischen Vallelunga verlassen hat. Im Rahmen des Amelia Island Concours d’Elegance wird dieser Rennwagen von Broad Arrow Auctions versteigert. Der prognostizierte Preis liegt dabei jenseits von einer Million US-Dollar.

Bilder: Broad Arrow Auctions