Ferrari 342 America

Ferrari-Sportwagen wie der 250, der 275 oder auch der 512 BBi sind bestens bekannt und erfreuen sich unter Sammlern stets großer Beliebtheit. Es gibt jedoch auch weniger bekannte Modellreihen, von denen zum Teil auch nur sehr wenige Exemplare entstanden sind. Ein Beispiel hierfür ist der 342 America, von dem lediglich sieben Fahrzeuge Anfang der 1950er Jahre in Maranello produziert wurden. Nummer eins von sieben hat eine besondere Geschichte und kommt in Kürze unter den Versteigerungshammer.

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Eigentlich baute Enzo Ferrari nur deshalb straßentaugliche Sportwagen, um seine Rennabteilung zu finanzieren. Daher waren diese Fahrzeuge anfänglich auch eher spartanisch ausgestattet und nahe am Motorsport einzuordnen. Schnell begriff der Commendatore jedoch, dass seine Kunden je nach Land andere Bedürfnisse hatten. Besonders der amerikanische Automarkt stellte sich als speziell heraus. 1951 präsentierte Ferrari daher auf dem Pariser Autosalon und auf der Earls Court Motor Show in London den neuen 342 America als Weiterentwicklung des 340 America. Durch den Beinamen und die größeren Abmessungen des Autos im Vergleich zum 340 wurde schnell klar, dass man hiermit komfortorientierte amerikanische Kunden begeistern wollte. Unter der langen Motorhaube werkelte ein V12-Triebwerk mit 4,1 Litern Hubraum (intern als Lampredi-V12 bekannt) und knapp über 200 PS, die über ein synchronisiertes Viergang-Getriebe auf die Hinterräder gelangten. Für passende Verzögerungswerte vertraute man damals noch auf Trommelbremsen rundum und während vorn bereits eine Einzelradaufhängung genutzt wurde, nutzte diese trotzdem noch eine Querblattfeder. Auch die Hinterachse hing an halbelliptischen Blattfedern. Interessanterweise erhielten alle sieben Exemplare des 342 gerade Chassisnummern, die bei Ferrari damals eigentlich für Rennfahrzeuge reserviert waren. Durch das Zusatzkürzel ‚AL‘ für ‚America Lungo‘ wurde klar gestellt, dass es sich hier nicht um Wettbewerbsautos handelte.

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Fahrgestell 0130 AL ging Anfang August 1951 an den Karosseriebauer Ghia, der im Laufe der Jahre lediglich 36 Fahrzeuge für Ferrari einkleidete. Deutlich häufiger wählte das Werk damals Pinin Farina oder Vignale aus. Ghia gestaltete diesen 342 America als bequemes 2+2-Sitzer-Coupé. Die elegante Karosserie erhielt eine Zweifarblackierung, die vermutlich im unteren Bereich dunkelblau und im Dachbereich silbergrau ausgeführt wurde. Im Interieur drehte man diese Farbkombination um. Nach der Weltpremiere in Paris stand das Auto, wie oben beschrieben, auch in London. Dort sorgte der Autosport-Journalist John Bolster dafür, dass Stirling Moss auf dem Fahrersitz Platz nahm. Beide waren sich über das elegante Auftreten und die hohe Qualität einig und bedauerten lediglich, dass sie ihre Geldbörsen nicht dabei hätten. Diese hatte hingegen Sir David Brown bei sich, der den Wagen erwarb. Ja, diesen Namen kennen Autofans. David Brown hatte Aston Martin und Lagonda übernommen, fuhr privat jedoch diesen Ferrari. Allerdings erst, nachdem das Fahrzeug noch einmal zurück nach Maranello transportiert worden war, um finale Arbeiten und Abnahmefahrten durchführen zu können. Hierfür war vor dem Pariser Autosalon nicht genug Zeit gewesen. Einige Markenexperten gehen übrigens davon aus, dass 0130 AL der allererste offiziell in Großbritannien verkaufte Ferrari war.

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Wie lange David Brown den Ferrari behielt, ist indes nicht klar überliefert. Es gibt einige Fotos aus den frühen 1950er Jahren, auf denen das Auto mit der aufgepinselten Startnummer 87 bei verschiedenen Rennveranstaltungen zu sehen ist. Sicher ist der Verkauf an G. M. Focquet rund ums Jahr 1954, der den 342 America ins typisch-italienische Rot umlackieren ließ. Bis 1966 folgten einige weitere Besitzer in Großbritannien, dann wechselte das Auto über den großen Teich in die USA. Im Mai 1967 kaufte Robert Chevako den Wagen und zeigte ihn im Rahmen des Watkins Glen Sports Car Grand Prix einen Monat später letztmalig öffentlich. Warum genau er den Ferrari anschließend für rund sechs Jahrzehnte einlagerte, kann nicht mehr so genau gesagt werden. Jüngst konnte der 342 America aus dem Nachlass von Mr. Chevako erworben werden und steht nun als Restaurierungsobjekt mit Matching Numbers bei Gooding Christie’s in Amelia Island zur Auktion bereit. Trotz des aktuellen Zustands liegt der erwartete Zuschlagspreis zwischen 900.000 und 1.200.000 US-Dollar.

Bilder: Gooding Christie’s