1976 präsentierte Volkswagen einen Kompaktsportler, dessen Erfolgsstory nicht einmal die überzeugten Entwickler absehen konnten. Sie hatten nach Feierabend und an Wochenenden aus dem biederen Golf eine sportliche Kanone entwickelt, die sich ihrer Meinung nach vor keinem Konkurrenzprodukt verstecken musste. Als der Vorstand überzeugt war, kam die Vertriebs- und Marketingabteilung ins Spiel, die allenfalls ein Potenzial von maximal 5.000 verkauften Autos voraussah. Damit lag sie allerdings meilenweit neben der Kundenmeinung. In acht Generationen liefen bislang mehr als 2,5 Millionen Exemplare des Golf GTI vom Band und erfreuen sich weltweit hoher Beliebtheit. Das Jahr 2026 steht für VW aufgrund des runden Jubiläums dieser drei Buchstaben daher voll im Zeichen „GTI“.
Golf I GTI
Der 1976 präsentierte Golf I GTI könnte für die heutige Jugend fast ein wenig asthmatisch wirken. Sein 1,6 Liter großer Vierzylindermotor brachte es auf 110 PS, die über ein manuelles Fünfgang-Getriebe mit Golfball-Schalthebel auf die Vorderachse übertragen wurden. Damit ging es in neun Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bei Bedarf weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h. Diese Werte waren Mitte der 70er Jahre absolut top und reichten, um manches Sportcoupé zu bügeln. Hinzu kam der Grundpreis von 13.850 DM, der den Golf GTI massentauglich machte. Optisch schlug der kleine Wolfsburger für die damalige Zeit ordentlich Krawall. Schwarz lackierte Stoßstangen anstelle von Chrom, eine rote Umrandung des Kühlergrills, eine Frontspoilerlippe, leichte Kotflügelverbreiterungen in schwarz und eine mattschwarze Zierfolie rund um die Heckscheibe unterschieden den GTI vom Normal-Golf. Diese wenigen fein gesetzten Details reichten indes aus, um die Kundschaft zu begeistern und in Scharen in die VW-Autohäuser zu locken. Bereits im ersten Produktionsjahr rollten mehr als 50.000 Stück auf die Straße. Zum Ende der Bauzeit gab es den heute gesuchten Golf GTI Pirelli mit speziell gestalteten Leichtmetallrädern, deren Öffnungen an das ‚P‘ von Pirelli erinnerten. Insgesamt erreicht der Einser Golf als GTI eine Stückzahl von 461.690 – wir erinnern uns an dieser Stelle grinsend an die Voraussage von 5.000 Autos weiter oben.
Golf II GTI
Mit der zweiten Generation des Golf GTI zog auch die Möglichkeit ein, diesen Kompaktsportler mit zusätzlichen hinteren Türen zu bestellen. Allerdings galt noch für viele Jahre der klassische Dreitürer als sportlicher und daher begehrenswerter. Unter der Motorhaube des Golf II GTI gab es im Laufe der Produktionsjahre diverse unterschiedliche Triebwerke mit bis zu 160 PS im GTI G60. Exklusiv über VW Motorsport konnte zudem der Golf GTI Limited bestellt werden, von dem lediglich 71 Exemplare mit einem 210 PS starken Vierzylindermotor und dem Synchro-Allradantrieb gebaut wurden. Insgesamt entstanden von der zweiten GTI-Generation zwischen 1984 und 1991 mehr als 600.000 Stück.
Golf III GTI
Leider lernt die Marketingabteilung von Volkswagen nur aus Misserfolgen. Anders kann man es nicht erklären, dass aus dem erfolgreichen Kompaktsportler ab der dritten Modellgeneration des Golf eine reine Ausstattungslinie wurde, die man mit diversen Motorisierungen kombinieren konnte. Den sportlichen Grundansatz der einstigen Entwickler suchte man dabei oftmals vergeblich. Immerhin gab es zum 20-jährigen Modelljubiläum ein Sondermodell mit schnieken BBS-Felgen und Sportfahrwerk sowie Umfängen der „Colour Line“ genannten Versionen des Golf III, die in auffälligen Karosseriefarben vom Band liefen.
Golf IV GTI
Auch der Vierer-Golf verdammte das GTI-Kürzel fast vollständig in Richtung Ausstattungslinie. Viel mehr als ein paar Sportsitze und Leichtmetallräder war dabei nicht drin. Allerdings sammelte sich im Hintergrund die GTI-Fangemeinde zum Sturm gegen Wolfsburg, was schließlich nicht nur zum 25 Jahre Sondermodell führte, sondern auch zu einer Rückbesinnung ab Modellgeneration fünf.
Golf V GTI
Endlich war er wieder da, der sportliche Golf GTI. Unter der Haube pochte nun ein turboaufgeladenes Herz mit 200 PS, also beinahe der doppelten Leistung im Vergleich zum Original von 1976. Zudem behielt VW die Tradition bei, alle fünf Jahre ein Sondermodell zum jeweiligen Jubiläum des GTI aufzulegen. Dieses unterschied sich oftmals durch eigenständige Karosserieanbauteile und eine hochwertigere Serienausstattung vom normalen GTI.
Golf VI GTI
Auch in der sechsten Generation konnte der Golf GTI seine weltweiten Fans wieder überzeugen. Der Motor leistet nun 210 PS im normalen GTI. Für das 35-Jahre-Sondermodell sind es sogar 235 PS. Zudem gab es in einer geringen Auflage den Golf GTI Adidas zu kaufen, der eine besondere Polsterung und mehr Ausstattung erhielt.
Golf VII GTI
Die siebte GTI-Generation war zugleich die letzte, die mit drei oder fünf Türen verfügbar war. VW entschied sich dafür, die nachfolgende achte Golf-Generation nur noch als Fünftürer anzubieten. Neben dem normalen GTI mit 220 PS gab es von Anfang an eine Performance-Variante mit 230 PS. Ab 2017 erhielt die normale Version die Leistungsdaten des Performance, während dieser auf 245 PS wechselte. Darüber gab es von 2016 bis 2017 den GTI Clubsport mit 265 PS und den GTI Clubsport S mit 310 PS. Letzterer erzielte damals eine neue Rundenbestzeit auf der Nürburgring-Nordschleife für Kompaktfahrzeuge mit Vorderradantrieb. 2019 markierte der 290 PS starke GTI TCR den Abschied vom dreitürigen Golf.
Golf VIII GTI
Die achte Golf-Generation machte Kunden und Verkäufern anfänglich aufgrund von diversen Softwarefehlern viel Kummer. Erst mit dem Midlife-Circle-Facelift gab es hier deutliche Verbesserungen, die auch dem GTI gut taten. Zum 50-jährigen spendiert VW den Fans nun den bislang leistungsstärksten Serien-GTI mit 325 PS, der bis zu 270 km/h schnell wird. Für den Spurt auf Tempo 100 vergehen im aktuellen Sondermodell nur noch 5,3 Sekunden. Auch auf der Nordschleife war das Fahrzeug bereits erfolgreich unterwegs. Nur der Grundpreis von 54.540 Euro hat sich inzwischen ein gutes Stück weit aus dem Bereich heraus bewegt, in dem sich der Original-GTI einst bewegte.
Im Laufe des Jahres sollen einige besondere Veranstaltungen das runde GTI-Jubiläum beleuchten und würdig feiern. Den Auftakt dazu gibt es beinahe zeitgleich in Paris auf der Retromobile (28.01. bis 01.02.) und in Bremen auf der Classic Motorshow (30.01. bis 01.02.). Zudem erscheint in diesem Jahr erstmals ein vollelektrischer GTI auf dem Markt, allerdings in der kleineren Baureihe ID. Polo.
Bilder: Volkswagen

























