WD Denzel 1300

Autohersteller aus Österreich gibt es nicht viele. Heute kennt man eigentlich nur noch Magna Steyr Fahrzeugtechnik. Umso erstaunlicher ist es, dass 1948 zwei Hersteller ziemlich zeitgleich mit der Produktion von Sportwagen begannen. In Gmünd war es Porsche, die 1950 in die eigenen Hallen in Stuttgart-Zuffenhausen zurück gingen. Derweil entstanden im 6. Bezirk von Wien erste Exemplare des WD Denzel. Firmengründer Wolfgang Denzel hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Autos verkauft und traute sich nun gemeinsam mit seinem Freund Hubert Stroinigg zu, auf Basis von Kübelwagen-Fahrgestellen kleine Roadster mit Karosserien aus Sperrholz zu bauen.

  • 1954 WD Denzel 1300
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Bereits 1949 erzielte einer dieser frühen WD Denzel einen Klassensieg und den siebten Platz insgesamt bei der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt. Es folgte ein Klassensieg bei der ÖAMTC-Wintertourenfahrt 1949, ein Gesamtsieg bei der Coupé des Alpes 1954 sowie ein weiterer Klassensieg bei der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt im gleichen Jahr. Sporterfolge ließen sich auch damals schon gut in Verkaufserfolge ummünzen. Dennoch entstanden von der ersten Bauserie bis 1951 wohl weniger als zehn Exemplare. Für die zweite Modellgeneration entwickelte das Team rund um Wolfgang Denzel ein eigenständiges Rohrrahmen-Fahrgestell mit Aluminiumkarosserie. Die Motoren stammten von Volkswagen, wurden jedoch eigenständig auf 1,3 Liter aufgebohrt, um mehr Leistung bereitstellen zu können. Je nach Ausführung standen bis zu 64 PS im Datenblatt. Ab 1954 konnte alternativ ein 1,5-Liter-Motor mit 80 PS aus dem Porsche 356 bestellt werden. Zudem ergänzte ab 1956 eine geschlossene Coupé-Variante das Angebot. Insgesamt sollen weniger als 100 Denzel entstanden sein.

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In den frühen 1950er Jahren kam Denzel mit Antonio Guedes Herédi, einem portugiesischen Aristokraten, in Kontakt, der sich in den kleinen Sportwagen regelrecht verliebte. Er wurde prompt zum Generalimporteur für Denzel in Portugal und begründete dafür seine Firma Auto Portuguesa in Lissabon. Das hier gezeigte Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer DK28 lieferte er am 15. April 1954 an den damals berühmten portugiesischen Rennfahrer Joaquim Filipe Nogueira, der ansonsten vor allem Fahrzeuge von Ferrari, Maserati oder Porsche fuhr. Im Laufe des Jahres 1954 nahm er mit dem Denzel an 13 Rennveranstaltungen teil. Dabei erzielte er mindestens sieben Siege und drei zweite Plätze. Von einigen Rennen sind die Ergebnisse leider nicht überliefert. Trotz dieser Erfolge stieg er im Folgejahr auf einen Porsche 550 Spyder um und verkaufte den Denzel an Renato Azevedo, der den Sportwagen offenbar nicht im Motorsport einsetzte. Im Januar 1956 erfolgte der nächste Besitzerwechsel an José Teixeira, der den Roadster an den Rennfahrer Daniel Magalhaes für drei Rennen auslieh. Magalhaes kaufte ihm den Denzel schließlich ab und fuhr 1957 mindestens zwei weitere Rennen damit.

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Es folgten einige weitere Besitzerwechsel, aber dieser WD Denzel 1300 blieb bisher stets in Portugal. Der aktuelle Halter pflegt den Sportwagen bereits seit 1999. Im Rahmen der RM Sotheby’s Auktion in Monaco am 24. und 25. April könnte der kleine Roadster einen neuen Besitzer finden. Das Auktionshaus erwartet einen Zuschlagspreis zwischen 180.000 und 220.000 €.

Bilder: RM Sotheby’s, Oliver Hirtenfelder