Die Sonderwunsch-Abteilung von Porsche Exclusive befasst sich immer wieder mit Kundenwünschen, die sich um die Neuinterpretation historischer Rennfahrzeuge dreht. Mal geht es dabei um möglichst genaue Repliken auf Basis aktueller Modelle, mal soll das Rennauto lediglich als Inspirationsquelle dienen. Letzteres war bei diesem 911 S/T der Fall, der kürzlich in eine Autosammlung in der Schweiz erstausgeliefert wurde. Vorbild war ein historischer 911 mit „S/T“-Ausstattung, der von 1973 bis 1978 in Nordamerika an diversen Rennen der Camel GT Challenge teilgenommen hatte.
Vorbereitet wurde der historische 911 dabei durch das US-Team Brumos. Dort erhielt der Wagen spezielle Motorsportkomponenten, die von Porsche damals unter dem Kürzel S/T geführt wurden. Entgegen landläufiger Meinung gab es jedoch nie ab Werk entsprechende Fahrzeuge, die mit der Modellbezeichnung 911 S/T vom Band gelaufen wären. Im Falle dieses Autos hier, das ebenfalls Teil der Schweizer Sammlung ist, erhielt die Karosserie eine Neulackierung von Signalgelb auf Phoenixrot (Betrachter würden eher von Orange sprechen), breitere hintere Räder mit eigenständigem Felgendesign sowie diverse Fahrwerksteile und eine Leistungssteigerung. Das kanadische Rennteam Equipe de Course Marc Dancose setzte das Fahrzeug schließlich mit einigem Erfolg ein. 1978 endete die Motorsportgeschichte dieses 911 jedoch mit einem Unfall in der dritten Runde des Rennens im kanadischen Trois-Rivières – nach insgesamt 27 Renneinsätzen in der Camel GT Challenge.
Viele Jahre später ließ ein Schweizer Autosammler den Porsche komplett neu aufbauen und dabei in den Zustand von 1973 zurückversetzen – inklusive Startnummer und Sponsorenaufklebern. Als die Zuffenhausener 2023 den neuen 911 S/T präsentierten, entschloss sich der Sammler zur Bestellung eines exklusiven Unikats, inspiriert von seinem klassischen Vorbildfahrzeug. Gemeinsam mit dem jüngst in Rente gegangenen Designer Grant Larson arbeitete er an einer besonderen, von Hand aufgetragenen Lackierung in den beiden Farbtönen Signalgelb und Phoenixrot. Das dabei entstandene fließende Farbmuster zeigt sich bewusst asymmetrisch und betont ein wenig den Lichtverlauf auf den runden Formen der 911-Karosserie. Im Stand zeigt der Wagen zudem an den Hinterrädern die Aerodiscs, die Manthey für den GT3 RS entwickelte, um an die unterschiedlichen Felgen vorn und hinten beim klassischen 911 aus der Sammlung zu erinnern. Sie sind jedoch nicht für den S/T homologiert und müssen daher vor Fahrtantritt demontiert werden.
Auf den Einstiegsleisten sind links und rechts je zwei besondere Renneinsätze des klassischen 911 inklusive Startnummer und Datum vermerkt. Die GT Challenge war eine nordamerikanische Langstrecken-Rennserie, die ab der zweiten Saison im Jahr 1972 vom Tabakkonzern Camel gesponsert wurde. Tabakwerbung gehörte damals nicht nur im Motorsport zum Alltag. Heute sieht dies anders aus und führt beim neuen 911 S/T dazu, dass das Wort Camel nirgendwo genannt wird. Stattdessen zeigt sich die Silhouette eines Dromedars im Schriftzug oberhalb des Handschuhfaches. Dieses ist ebenfalls in die Kopfstützen eingestickt, wo auch die Streckenskizzen jener vier Rennen zu finden sind, die auf den Einstiegsleisten genannt werden. Auf dem Deckel des mittleren Ablagefaches zwischen den Sitzen findet sich ein zufrieden grinsendes Kamel – vermutlich mit ähnlichem Gesichtsausdruck, wie ihn der Fahrzeugbesitzer bei jeder Fahrt mit dem Unikat haben dürfte.
Bilder: Porsche Schweiz AG















