Der Frühling erwacht und mit ihm auch die neue Sonderausstellung im Nationalen Automuseum – The Loh Collection im hessischen Dietzhölztal. Nach den 24 Stunden von Le Mans, Ferrari und der Geschichte der Grand-Prix-Rennwagen widmet sich das rührige Museumsteam diesmal um die Geschichte und diverse Facetten des Rallyesports. Es bleibt dabei wohl bemerkt nicht nur bei der heutigen Weltmeisterschaft und ihren Vorläufern. Die Sonderausstellung umfasst auch die großen Endurance-Rallyes wie die Paris-Dakar und wirft einen Blick auf das ‚Race to the Clouds‘ am Pikes Peak in den USA. Ab Samstag (28. März) ist sie für alle Museumsbesucher geöffnet.

Wer mich kennt, weiß, dass der Rallyesport für mich die besten Autofahrer der Welt hervorgebracht hat. Während man auf der Rundstrecke häufig riesige Auslaufzonen zur Verfügung hat, um bei einem Zwischenfall das Schlimmste zu verhindern, fahren Rallye-Piloten oft im Millimeterabstand an Bäumen, tiefen Gräben und Steinmauern entlang – und das mit Vollgas. Für viele Jahre gehörte ich zum Streckenpostenteam bei der Rallye Deutschland in den Moselweinbergen und in jungen Jahren durfte ich als Beifahrer zwei Rallyes auf Porsche 911 bestreiten, von denen eine mit einem Klassensieg endete. Also ja, das aktuelle Sonderausstellungsthema in Dietzhölztal holt mich absolut ab. Genau wie mir ging es weiteren Vertretern der Presse direkt hinter dem Kassenbereich, wo ein Audi quattro und ein Mini der Dakar-Rallye 2021 einen ersten kleinen Ausblick auf den neu gestalteten Bereich eine Etage höher bieten.
Insgesamt 37 Exponate, davon ein Motor und drei originale Rallye-Plakate der 1980er Jahre, warten auf die Besucher. Im Vergleich zu den bisherigen drei Sonderausstellungen fällt auf, dass die Loh Collection diesmal deutlich mehr Leihgaben eingeladen hat. Im Bereich Rallyesport ist die hauseigene Sammlung zwar relativ gut aufgestellt, aber eben doch nicht vollständig. Außerdem ist man inzwischen mit den bedeutendsten Werks- und Privatmuseen eng verknüpft und verleiht auch fleißig selbst Fahrzeuge in alle Welt. In der Sonderausstellung fällt ein gewisser Überhang zugunsten der Marke Audi auf. So stehen hier nicht nur der originale Pikes-Peak-Rennwagen, mit dem Walter Röhrl 1987 den damaligen Rekord aufstellte, sondern auch ein nahezu baugleiches Exemplar vom Race of Champions und der einzige Sport quattro S1/E2, der jemals unter Wettbewerbsbedingungen mit dem von Porsche entwickelten PDK-Getriebe bewegt wurde. Walter Röhrl pilotierte dieses Auto 1985 bei der Semperit Rallye im Rahmen der Österreichischen Rallye-Meisterschaft und gewann überlegen mit 20 Minuten Vorsprung. Erstaunlicher ist hingegen, dass Toyota nur durch einen Prototypen der niemals im Wettbewerb gelaufenen Gruppe S vertreten ist und Mitsubishi gänzlich fehlt. Letzteres ist umso bemerkenswerter, da die Sonderausstellung ja auch die großen Wüstenrallyes wie die Dakar zeigt. Allerdings bietet der Bereich im ersten Stock auch kaum mehr Fahrzeugen Platz, als jetzt bereits gezeigt werden. Das älteste Exponat ist übrigens ein Bentley Speed Six, der 1930 in der Teilnehmerliste der Rallye Monte Carlo auftauchte, jedoch bereits auf der Sternfahrt zur Startrampe nach einem Unfall ausfiel.
Wer sich für die Geschichten hinter den ausgestellten Fahrzeugen und manche Anekdote rechts und links der Piste interessiert, wird im passend zur Sonderausstellung fertig gestellten Buch ‚Rallye Legenden – Zeitreise auf Asphalt, Schotter und Schnee‘ fündig. Es dient nicht nur als Katalog der Sonderausstellung im Nationalen Automuseum, sondern bietet Rallyefans auch so zahlreiche interessante Kapitel. Das Vorwort stammt von Christian Geistdörfer, der als Beifahrer von Walter Röhrl viele Jahre lang sehr erfolgreich im Rallyesport unterwegs war. Die knapp über 200 Seiten des Buches zieren mehr als 600 Bilder und Illustrationen. Interessenten können es unter der ISBN 978-3-613-04846-1 zum Preis von 39,90 Euro im Buchfachhandel oder online bestellen.
Bilder: Matthias Kierse































