„The Beasts of Bugatti“ im Louwman Museum

Seit Mitte Juli und noch bis Ende August läuft im Louwman Museum in Den Haag eine Sonderausstellung zu Ehren des W16-Motors von Bugatti. Von frühen Prototypen für den Veyron reicht die gezeigte Palette der Exponate bis zum Chiron Supersport 300+ und dem streng limitierten Mistral.

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Wir blicken zurück ins letzte Jahrtausend. In den 1990er Jahren ging es VW deutlich besser als heutzutage und mit den Visionen von Ferdinand Piëch war man auf großem Expansionskurs, der 1998 darin gipfelte, dass man die Namensrechte an Bugatti erwarb. Auf dem Pariser Automobilsalon stand dann auch die erste Neukreation mit dem roten Macaron als Markenlogo. Gemeinsam mit Giugiaro entstand der Bugatti EB118 mit einem sagenhaften 18-Zylinder-Motor und 555 PS. Selbiger Motor fand dann seinen Weg in die Konzeptstudien EB218, EB18/3 Chiron und EB18/4. 1999 stellte die Schwestermarke Bentley auf dem Autosalon in Genf den Bentley Hunaudières vor; benannt nach der legendären langen Gerade in Le Mans und ausgestattet mit einem nicht minder imposanten W16-Motor. Dieser leistete in der Studie 630 PS – als Saugmotor. Im Jahr 2000 debütierte der Bugatti Veyron EB16.4 mit eben jenem Motor – allerdings nunmehr mit der Ankündigung, 1.001 PS mit Hilfe von vier Turboladern zu leisten. Man hatte sich vor allem aufgrund thermischer Probleme und einem optimierten Bauraum für den Motor mit 16 statt 18 Zylindern entschieden.

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Es dauerte allerdings noch weitere fünf Jahre bis schlussendlich 2005 das Serienfahrzeug des Bugatti Veyron EB16.4 das Licht der Welt erblickte. Das Projekt war zwischenzeitlich immer wieder kurz vor dem Stopp, weil man etwas wagte, was niemand zuvor ansatzweise versucht hatte. Wie abenteuerlich der Weg zum Serienfahrzeug war, zeigt aktuell sehr gut die noch bis 31.8. andauernde Ausstellung „The Beasts of Bugatti“ im niederländischen Louwman Museum.

Die Entwicklungsabteilung des VW-Konzerns baute zunächst einen Versuchsträger auf Basis des Lamborghini Diablo. Man versuchte alles, um das Fahrzeug möglichst seriennah wirken zu lassen, aber gefühlt platzt dieser Wagen an allen Enden aus den Nähten. Der Wagen wurde vermutlich nach dem 1999er Facelift des Diablo aufgebaut, besitzt er doch schon dessen Scheinwerfer hinter Klarglasabdeckungen anstelle der vorherigen Klappscheinwerfer. Die Hutzen auf der Fronthaube und dem Dach scheinen dem Diablo GT entliehen und die linke Rückleuchte fehlt komplett, was auf einen deutlich erhöhten Kühlbedarf des Motors hindeutet. Optisch wird die Potenz vor allem durch die vierflutige Abgasanlage deutlich. In Serie kam eine solche Abgasanlage erst viel später im Chiron Sport. Dass dieser Prototyp bis heute überlebt hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Eigentlich wandern Technikträger dieser Art sehr schnell nachdem ihr Zweck erfüllt wurde in die Schrottpresse.

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Neben dem Diablo Muletto findet sich in der Sonderausstellung auch der allererste Prototyp des Veyron im beinahe finalen Gewand wieder. Ebenso fand natürlich der Veyron in der Serienversion seinen Weg ins Museum. Bugatti fütterte seine Kunden immer wieder mit Neuheiten und besonderen Einzelstücken. So entstand beispielsweise der Veyron Grand Sport – für diejenigen, die mit Bugatti nicht so bewandert sind: das Veyron Cabriolet – und davon genau ein besonderes Art Car, gestaltet vom französischen Künstler Bernar Venet. Er brachte seine Leidenschaft für mathematische Gleichungen und wissenschaftliche Abhandlungen in eine dreidimensionale Form. Während der Vorderwagen in bronze-orange gehalten ist, geht es über Zahlen und Formeln in eine schwarze Karosserie am Heck über.

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Dachte man zunächst, 1.001 PS würden reichen und wären im Zweifel mehr als genug, zeigte sich schon bald, dass die Kunden mehr wollten. Das Hause Bugatti kam diesem Wunsch nach und legte eine Supersport-Version des Veyron auf, zunächst lieferbar als Coupé und später als Veyron Vitesse ebenfalls auf Basis der offenen Version. Um das Fahrzeug entsprechend auf dem Markt zu positionieren stellte man Weltrekorde sowohl für das Coupe als auch für den Vitesse auf. Mit dem Veyron Supersport erreichte man sagenhafte 431,07 km/h auf der VW-Teststrecke in Ehra-Lessien, während man mit dem Veyron Vitesse mit offenem Dach immerhin noch 408,84 km/h erreichte. Beide Weltrekorde wurden mit einer Weltrekord Edition geehrt. Im Louwman Museum kann man nun sowohl einen Veyron Supersport – als Leihgabe aus dem Nationalen Automobilmuseum als auch einen Veyron Vitesse World Record Edition aus der Sammlung von Michel Perridon bestaunen.

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Im Jahr 2015 fand die Ära des Veyron mit dem Bugatti Veyron Vitesse la Finale ihren Schlusspunkt auf dem Autosalon in Genf und im Jahr 2016 stand an selbiger Stelle der Bugatti Chiron. Nunmehr erstarkt auf 1.500 PS aus dem legendären W16. Im Jahr 2017 stand man sehr selbstbewusst auf der IAA, hatte man doch soeben noch einen neuen Rekord aufgestellt. 0-300km/h-0 in sage und schreibe 42 Sekunden. Man erläuterte noch auf der Messe, dass man ebenfalls einen neuen Geschwindigkeitsrekord mit dem Chiron plane. Als jedoch das schwedische Haus Koenigsegg den Bugatti-Rekord nur wenig später gefühlt pulverisierte, wurde es recht ruhig um einen neuen Geschwindigkeitsrekord aus Molsheim. Bugatti wäre aber nicht Bugatti wenn man nicht sein Wort halten würde und so arbeitete man im stillen Kämmerchen und machte seine Hausaufgaben. Im August 2019 folgte dann der Big Bang und man rollte mit einem seriennahen Prototypen eines neuen Bugatti Chiron-Derivates aus, um einen neuen Rekord aufzustellen. Man erreichte auf dem VW-Testgelände in Ehra-Lessien eine Höchstgeschwindigkeit von 490,48 km/h – allerdings diesmal nur in einer Fahrtrichtung. Angetrieben wurde der Prototyp, der aktuell in der Autostadt Wolfsburg zu bewundern ist, von einer deutlich leistungsgesteigerten Version des W16-Motors, die beim Weltrekord 1.800 PS geleistet haben soll. Natürlich ehrte man auch dieses Modell wieder mit einer World Record Edition, die jedoch „nur“ 1.600 PS leistete. Ein solches World Record Edition-Fahrzeug steht ebenfalls im Louwman Museum und stammt ebenfalls, wie bereits der oben gezeigte Veyron Vitesse WRE, aus der Sammlung von Michel Perridon.

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Nach 450 Fahrzeugen endete die Produktion des Chiron. Bugatti schloss das W16-Kapitel jedoch nicht mit diesem Supersportwagen ab, sondern legte auf Basis des Chiron-Chassis den offenen Mistral auf, dessen Produktion vor wenigen Wochen nach 99 Exemplaren endete. Der Mistral trägt ebenfalls den Motor mit 1.600 PS hinter den Passagieren. Es gab wohl im Versuch von Bugatti noch leistungsstärkere Ausbaustufen des W16, gerüchteweise mit mindestens 2.000 PS. Diese schafften es jedoch nicht mehr in Serie, weil wohl aktuelle Abgasnormen nicht mehr erfüllt werden konnten und zudem Bugatti an die kroatische Elektrosportwagenmarke Rimac verkauft wurde.

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Mate Rimac hat seine ganz eigenen Ideen zur Zukunft von Bugatti und der Chiron-Nachfolger namens Tourbillon befindet sich aktuell im Produktionsanlauf. Hier findet man einen V16-Saugmotor in Kombination mit einem Elektroantrieb. So gerüstet stürmt der Tourbillon mit 1.800 PS voran. Die Ausstellung im Louwman Museum ist eine Hommage an die W16-Ära, ein technisches Monument und eine Legende. Zu besichtigen ist die Ausstellung noch bis 31.8. Aber auch ohne diese Sonderausstellung ist das Museum bei Den Haag immer einen Besuch wert.

Bilder: Oliver Kühlein