AC Schnitzer gibt auf

Der deutsche Traditions-Tuner AC Schnitzer aus Aachen, bekannt für Veredelungen der Fahrzeuge von BMW und Mini, gibt zum 31. Dezember 2026 seinen Geschäftsbetrieb auf. Laut Firmenangaben führten nicht nur die hohen US-Zölle und der stetige Wandel weg vom Verbrenner und hin zum Elektroauto dazu, sondern vor allem die immer strenger werdenden deutschen Zulassungsvorschriften, die dem Tuner zunehmend Steine in den Weg warfen. Hinter dem Tuningbetrieb steht die Kohl-Gruppe, die als Händlerverbund weiterhin aktiv bleiben wird.

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In der Pressemeldung gibt sich die Kohl-Gruppe sehr deutlich: „Verschiedene Gründe führen dazu, dass das Geschäft mit Tuningprodukten am Standort Deutschland nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben ist. Stetig steigende Kosten in der Entwicklung und Herstellung von Teilen erzeugen Wettbewerbsnachteile. Insbesondere aber die extrem lange Dauer der Zulassung von Teilen im deutschen System ließ AC Schnitzer gegenüber nicht-deutschen Wettbewerbern mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. „Wenn wir mit Anbauteilen erst acht oder neun Monate nach der Konkurrenz auf den Markt kommen können, spricht dies für sich“, erklärt Rainer Vogel, Geschäftsführer von AC Schnitzer die Hintergründe. Auf der Nachfrageseite verschärfen ein verändertes Konsumverhalten, die verschlechterten internationalen Marktbedingungen und der schleichende Rückzug des Verbrennungsmotors die Situation zusätzlich.

„Eine rationale Entscheidung für einen Geschäftsbereich zu treffen, der so emotional besetzt ist, fällt nicht leicht. Aber wir denken als Familienunternehmer immer im Sinne der gesamten KOHL-Gruppe und ihrer stabilen Zukunft“, so Rainer Vogel weiter. Ob Zölle im wichtigen, amerikanischen Markt, weltweit steigende Rohstoffpreise, hochvolatile Wechselkurse in den internationalen Währungen oder Anbietersterben auf der Zuliefererseite: Jede Entwicklung hat Spuren in der Bilanz hinterlassen. Ebenso die generelle Kaufkraftzurückhaltung, die in der nunmehr seit vier Jahren global schwächelnden Konjunktur auch den Heimatmarkt Deutschland einbrechen ließ.

Richtig sei auch, dass die Käufer für Fahrzeugveredlung durch Anbau- und Umbauteile häufig medial in eine Sonderling-Rolle und in ein Poser-Image gedrängt würden. Dennoch zeigten hohe Besucherzahlen der Leitmessen der Tuningbranche, dass das Interesse nach wie vor ungebrochen ist. „Sicher zählt daher auch zur Wahrheit, dass es uns – wie anderen Tuningunternehmen ebenfalls – nicht gelungen ist, junge Kunden vom Spaß am sportlichen Fahren mit unserer Marke so zu begeistern, wie es die Generation ihrer Väter war.“ ergänzt Vogel.“ (Ende wörtliches Zitat aus der Pressemeldung)

Damit endet also erneut die Produktion eines weltweit bekannten deutschen Tuners. Weitere könnten in Kürze aus ähnlichen Gründen folgen.

Bilder: AC Schnitzer