Alle Jahre wieder… Nein, richtig, jedes zweite Jahr wieder. Nachdem ich 2022 das erste Mal überhaupt in Chantilly war, konnte ich es auch 2026 nicht abwarten, endlich das Datum zu wissen und die Reise zu planen. Wohlwissend, dass meine Lieblingsmarke aus Molsheim -Bugatti – auch in diesem Jahr wieder mit einem Stand vor Ort sein würde.
Warum bin ich so versessen darauf, nach Chantilly zu fahren? Als ich 2022 das erste Mal da war, war es eine sehr kurzfristige und spontane Entscheidung, die mich nachhaltig geprägt hat. Seinerzeit bin ich nur hingefahren, weil ich den Bugatti Mistral erstmals live sehen wollte. Aber was ich dann vor Ort sehen und erleben durfte übertraf meine kühnsten Erwartungen. 2024 ging es erneut
nach Chantilly und ich durfte dort neben dem neuen Bugatti Tourbillon auch meinen ersten Bugatti Bolide live sehen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen dann auch 2026. Nachdem vor einigen Wochen in Pebble Beach der Bugatti Destrier vorgestellt wurde, war die Hoffnung zumindest vorhanden, auch das dritte Fahrzeug aus der Solitaire Serie live sehen zu können. Am Ende kam es dann aber doch etwas anders.
Seit Freitag konsultierte ich ausgiebig die verschiedenen Instagram-Seiten rund um Chantilly. Und was sich dort zusammen braute war vielversprechend. Es schien tatsächlich so zu sein, dass das Mistral-Weltrekordfahrzeug vor Ort sein könnte. Ebenso wurde der Mistral ‚Le jeune prince‘ rund um Chantilly abgelichtet. Viele weitere Pretiosen ließen das Herz schon im Vorfeld höher schlagen. So ging es dann am Samstag morgen los Richtung Chantilly und am späten Nachmittag war ich endlich vor Ort. Zunächst ging ich davon aus, Samstags nicht auf das Gelände gehen zu dürfen, aber der Herr im Himmel hatte ein Einsehen und so durfte ich Dank meiner Akkreditierung schon einen ersten Rundgang starten. Bei strahlendem Sonnenschein ging es schnurstracks zu Bugatti und: ‚tadaa‘, alle Fahrzeuge bis auf das Veyron-Vorserienfahrzeug waren abgedeckt. So war zunächst einmal Rätselraten angesagt, was wir denn nun am Sonntag zu sehen bekommen würden.
Ich ging weiter vor dem Schloss entlang zu den Giganten der GT1-Ära. Dort standen die Legenden, die das Herz eines jedes Enthusiasten höherschlagen lassen. Neben einem Ferrari F40 GTE fand sich ein McLaren F1 GTR. Daneben einer der legendären französischen Venturi, neben dem wiederum ein 1997er Porsche 911 GT1 parkte, flankiert von einem Ferrari 550 Maranello GTS. Neben diesem parkte ein Lamborghini Murcielago R-GT. Nicht vergessen sollte man auch den gelben Nissan R390 GT1 – der einzige mit Straßenzulassung – der ebenfalls seinen Weg vor diese grandiose Kulisse fand.
Im Hintergrund sah ich bereits die nächsten Highlights. Dort parkte selig ein Bugatti Chiron neben einem Mercedes SLR McLaren 722 Coupe. Den beiden gegenüber fand sich eine große Armada an Lamborghini Miuras wieder, die aussahen, als wären sie gerade eben erst aus dem Werk gerollt. Grandios.
Weiter ging es über die Wiese zum Supercar-Parkplatz, auf dem sich am Samstag jedoch „nur“ ein schwarzer La Ferrari Aperta und ein Daytona SP3 tummelten. Ein großer Bereich des Parks war den legendären Ferrari-V12-Frontmotor-Coupés reserviert, wo man allerlei 365 GTB/4 ‚Daytona‘-Modelle betrachten konnte, aber auch den Concours-Gewinner, einen 410 Superamerica. Auf der anderen Seite des Parks konnte man bereits das nächste Highlight erspähen. Was aus weiter Entfernung tatsächlich aussah wie ein Ferrari Enzo entpuppte sich schlussendlich als der legendäre Ferrari FZ93 Zagato. Zagato wurde die Ehre zuteil einen Sonderbereich einnehmen zu dürfen, auf dem man einige der schönsten Pretiosen aus Mailand bewundern durfte.
Weiter vorne war dann der Renault Pavillon. Hier waren die R5 Turbo 3E Fahrzeuge leider schon abgedeckt und man durfte lediglich noch den Alpine A290 Lacoste betrachten. Witzig ist das Krokodil am Heck ja schon. Aber ansonsten… na ja, vermutlich kennt jeder meine Meinung zu elektrischen Fahrzeugen. A propos ‚Elektro‘: China… Nun haben die Chinesen auch Chantilly für sich entdeckt. Denza schickte eine ganze Armada seines Elektrosportlers Denza Z und einen Z9 GT vor Ort. Hübsch, aber dennoch nicht meins. Das war es dann auch für den Samstag. Nun ging es zum wohlverdienten Abendessen und der abendliche Spaziergang führte erneut zum Schloss, wo man uns erneut Eintritt gewährte. Es war wirklich eine magische Kulisse.
Voller Vorfreude ging es dann Sonntag auf ́s Gelände und schnurstracks zu Bugatti, wo nun alle Fahrzeuge aufgedeckt waren. Dort standen nebeneinander aufgereiht das bekannte eisblau-weiße Veyron-Vorserienfahrzeug, ein Serien-Veyron in klassischer Bugatti-Farbgebung, einer von acht gebauten Veyron Grand Sport Vitesse World Record Edition, der gerade erst fertig gewordene, persönliche Veyron ‚Le Directeur‘ von Bugatti-Designer Frank Heyl und ein Veyron La Maison Pur Sang, der ebenfalls in Pebble Beach vorgestellt wurde. Auf den ersten Blick ein „normaler“ Veyron – erst auf den zweiten Blick fallen die etwas größeren Räder und die neuen Lufteinlässe auf. Die Farben wurden der Tourbillon- und Chiron-Farbpalette entnommen. Neben dem Veyron La Maison Pur Sang fand sich wiederum ein ganz besonderes Bugatti-Modell – das Einzelstück Chiron Profilée. Ich war sehr überrascht das Fahrzeug zu sehen und er sieht wirklich grandios aus. Während ich beim Prototypen, aktuell im Nationalen Automobilmuseum zu sehen, tatsächlich noch haderte, war ich von dem fertigen Fahrzeug einfach nur begeistert. Der Chiron Profilée wurde vom Mistral ‚Le jeune prince‘ flankiert, der von St. Exupérys kleinem Prinzen inspiriert ist. Die Sterne bei der Heckpartie sind alle einzeln von Hand aufgemalt. Neben dem ‚Le jeune prince‘ stand dann das Mistral-Weltrekordfahrzeug aus der Sammlung von Kris Singh. Um das letzte Highlight von Bugatti zu sehen musste man einmal um den Pavillon herum gehen. Dort stand er nun – der Bugatti Brouillard, das Serienfahrzeug, das erste Modell aus dem hauseigenen Solitaire Programm. Vorgestellt wurde er letztes Jahr in Pebble Beach und auch bei Wheels at the Palace in Marienwaerdt war er zu sehen. Motorkram berichtete.
Der Supercarparkplatz hatte sich um ein paar Fahrzeuge gefüllt und so fanden sich dort noch einige weitere Ferrari und ein Mercedes SL 65 AMG Black Series wieder. Auch der F40 GTE erhielt illustre Gesellschaft in Form von nicht nur einem, sondern gleich vier normalen Ferrari F40, einer davon mit den extrem seltenen Schiebescheiben. Vor dem Schloss waren ebenfalls die Tücher von weiteren Highlights gezogen worden und so fand sich dort neben einem Aston Martin Vanquish Zagato Coupe auch ein Aston Martin Valhalla wieder. Weiter ging es in die Club-Bereiche und wenn man dachte es kann ja gar nicht mehr besser werden, wurde man erneut eines Besseren belehrt. So fanden sich auch dort allerlei Highlights wieder: Ferrari F50, Aston Martin Vanquish Zagato Volante, Alfa Romeo 8C, Ferrari Enzo und so weiter und so weiter. Chantilly 2026 war wieder ein echtes Highlight und ist nur schwer zu toppen. Sehr schade, dass es tatsächlich nur alle zwei Jahre stattfindet.
Bilder: Natalja Nesterova, Oliver Kühlein






































































































