Monte Carlo Automobile MCA Centenaire

Die kleine Sportwagenmarke MCA aus Monaco ist selbst unter Kennern nahezu ein weißes Blatt Papier geblieben. Ende der 1980er begründet, fertigte sie bis Mitte der 1990er Jahre gerade einmal 16 Fahrzeuge vom Typ Centenaire und verschwand hernach wieder. Das Exemplar mit Chassisnummer 2 wird in Kürze von Broad Arrow in Belgien versteigert. Eine schöne Möglichkeit, um diese Rarität einmal näher zu beleuchten und ein paar Details zu klären.

  • 1990 monte carlo automobile centenaire
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Es gibt wohl nur wenige Plätze weltweit, die so sehr für Luxusautos und Hypercars bekannt sind, wie die engen Straßen im Fürstentum Monaco. Neben Touristen aus aller Welt bringen auch die hier wohnenden, durchaus wohlhabenden Menschen ihre Sportwagen immer wieder gern ins Tageslicht. Sehen und gesehen werden ist hier durchaus ein täglicher Sport. Aber eine eigene Automarke aus dieser Gegend? Da zucken selbst viele Enthusiasten ahnungslos mit den Schultern. Tatsächlich gab es aber bereits mehrere, von denen wir hier eine näher beleuchten möchten. Monte Carlo Automobile, kurz MCA, wurde 1985 vom ehemaligen CART- und Formel-2-Rennfahrer Fulvio Maria Ballabio begründet. Als technischen Direktor stellte er Carlo Chiti ein, den Autofans vor allem für seine Errungenschaften bei Ferrari kennen. Unter anderem konstruierte er dort den 156 ‚Sharknose‘, mit dem Phil Hill 1961 Formel-1-Weltmeister wurde. Anschließend begründete er bei Alfa Romeo die Rennabteilung Autodelta und entwickelte unter anderem den V8-Motor für den 33 Stradale. Seine Anstellung bei MCA und die Arbeiten am Supersportwagen Centenaire stellten den Abschluss seiner umfangreichen Karriere dar, bevor er 1994 verstarb. Ebenfalls am Centenaire-Projekt beteiligt waren der ehemalige Alfa Romeo-Sportchef Perluigi Corbari, Marcel Zunnino (vorher bei AGS in der Formel 1 unter Vertrag) und Guglielmo Bellasi, der sich für die Verarbeitung von Carbonfasern bereits in den 1980ern einen Namen gemacht hatte. Zudem erreichte Ballabio einen Vertrag mit Lamborghini, um von dort aus leistungsstarke V12-Triebwerke geliefert zu bekommen.

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Im Mai 1990 konnte das Team endlich den neuen Supersportwagen enthüllen. Tatsächlich ist der MCA Centenaire damit das erste Kleinserienfahrzeug mit einem Carbon-Composit-Chassis als Grundlage. Oftmals wird dieses Attribut dem McLaren F1 oder dem im November 1990 präsentierten Jaguar XJR-15 zugedichtet. Den Namen erhielt das Auto aufgrund des 100-jährigen Jubiläums des Automobilclubs von Monaco in jenem Jahr. Aus diesem Grund wurde der Wagen durch den heutigen Fürst und damaligen Prinzen Albert II präsentiert. Zu dieser Veranstaltung reiste eigens Phil Hill aus den USA an, um das Spätwerk von Carlo Chiti live zu sehen. In den Folgejahren durchlebte der MCA Centenaire diverse Evolutionsstufen und Namenswechsel. So kennt man ihn zum Beispiel als Monte Carlo GTB oder in seiner letzten Ausbaustufe 1996 mit völlig verändertem Design auch als Mega Monte Carlo – nun mit Triebwerken von Mercedes-Benz. Vom ursprünglichen Centenaire sind wohl nicht mehr als vier oder fünf Exemplare entstanden. Unter den originalen Besitzern war Carlo Chiti selbst, der ehemalige F1-Weltmeister Clay Regazzoni oder der Schauspieler Roger Moore.

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Das von Broad Arrow angebotene Fahrzeug trägt die Chassisnummer 2 und entstand auf Wunsch von Fürst Rainier III in den Farben des Fürstentums Monaco: außen in weiß und innen in rotem Leder ausgeschlagen. Hinter den Passagieren werkelt der 5,2 Liter große V12 aus dem Lamborghini Countach 5000 QV, der seine 455 PS über ein manuelles Sechsgang-Getriebe von ZF auf die Hinterachse entlässt. MCA nutzte dieses Fahrzeug ursprünglich als Vorführ- und Testauto. Ausgestellt wurde es unter anderem 1991 auf der Lugano Auto Show, wo auch Fürst Rainier III am Messestand vorbeikam und für Fotos zur Verfügung stand. Ab 1992 befand sich das Auto für rund zehn Jahre im Depot des Lamborghini-Werkes in Sant’Agata, von wo aus der ehemalige Firmengründer Fulvio Maria Ballabio es schließlich Anfang der 2000er Jahre abholte. Er sorgte für eine erste vorsichtige Restaurierung inklusive einer Umlackierung auf ‚Alpine blau‘. So stand der Wagen dann 2007 gemeinsam mit dem Heuliez Pregunta Concept, das ebenfalls Lamborghini-Technik nutzt, auf der Retromobile in Paris. 2014 übernahm der heutige Besitzer aus Frankreich diese Rarität und ließ sie rund zwei Jahre später in den Auslieferungszustand zurück versetzen. Auch wenn der Tacho nur 1.560 Kilometer anzeigt, darf man von mehr Gesamtlaufleistung ausgehen, da MCA den Sportwagen anfangs relativ exzessiv genutzt hat. Zum Fahrzeug zählt eine umfangreiche Dokumentation inklusive Bilder von verschiedenen Veranstaltungen. Broad Arrow erwartet am Freitag einen Zuschlagspreis im Bereich zwischen 900.000 und 1.200.000 €.

Bilder: Broad Arrow Auctions