Pünktlich zur ersten Saison von Audi als Werksteam in der Formel-1-Weltmeisterschaft hat die Abteilung Audi Tradition ein ganz besonderes Unikat nachbauen lassen. 1935 nahm die Auto Union an Grand-Prix-Rennen teil und ließ auf der Basis des damaligen Mittelmotorrennwagens ein Rekordfahrzeug für Geschwindigkeitsfahrten im italienischen Lucca entwickeln. Dieses gleichnamige Einzelstück überlebte anschließend den Krieg nicht und entstand nun neu.
Audi Tradition wählte den damaligen Ort der Rekordfahrten nun für die Weltpremiere des Nachbaus. Das Städtchen Lucca mit rund 90.000 Einwohnern liegt in der Toskana und brachte unter anderem den Komponisten Giacomo Puccini hervor. Am 15. Februar 1935 nutzte man ein schnurgerades Stück der Autostrada, die an Lucca vorbeiführt, für Geschwindigkeitsrekordversuche. Die Auto Union setzte ein eigens entwickeltes Fahrzeug mit 16-Zylinder-Motor ein, das von Hans Stuck (Vater von Hans-Joachim Stuck) gesteuert wurde. Er erzielte über zwei Fahrten in unterschiedlicher Richtung eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 320,267 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit kam er bei einer der Fahrten auf 326,975 km/h. Damit wurde der Auto Union Lucca zum damals schnellsten Straßenrennwagen der Welt. Hierfür hatte die Auto Union im Vorfeld erstmalig Erkenntnisse aus dem Windkanal in den Bau der Aluminiumkarosserie einfließen lassen. Dazu zählten vollverkleidete Räder, spezielle Luftleitelemente hinter den Rädern, eine Cockpithaube sowie ein finnenartiges Heck. Zudem erhielten die Aluminiumbauteile einen glatten Klarlack, um noch weniger Windwiderstand zu bieten. Unter der hinteren Motorhaube werkelte eine rund 343 PS starke Version des V16-Triebwerks.
Der Lucca war eine Reaktion auf einen Geschwindigkeitsweltrekord von Mercedes-Benz aus dem Herbst 1934. Die Auto Union reagierte schnell, konnte jedoch den bereits im Dezember 1934 fertig gestellten Wagen aufgrund von winterlichen Wetterbedingungen nicht direkt einsetzen. Man suchte händeringend nach passenden Streckenabschnitten im europäischen Autobahnnetz der damaligen Zeit. Obwohl man erst in Ungarn und schließlich in Mailand fündig wurde, musste man sich aufgrund von einsetzenden Schneefällen jeweils wieder zurückziehen. Erst die Strecke bei Lucca konnte schließlich genutzt werden. Zuvor hatte man das Unikat am 17. Dezember 1934 auf der Berliner AVUS erstmals getestet und das Potenzial erkannt. In Lucca probierte man verschiedene Konfigurationen von abgedeckten Kühleröffnungen und Radverkleidungen aus. Fast parallel zum erfolgreichen Rekordversuch stand ein beinahe baugleiches Fahrzeug auf der Internationalen Auto- und Motorradausstellung in Berlin.
Die beiden ‚Rennlimousinen‘ nahmen einige Monate später am formelfreien Rennen auf der AVUS teil. Hier saß der junge Bernd Rosemeyer am Steuer des Rekordautos. Probleme mit der Motorkühlung und diverse Reifenschäden sorgten letztlich dazu, dass die beiden Fahrzeuge das Rennen nicht beenden konnten. Im bald darauf beginnenden Zweiten Weltkrieg gingen das Rekordfahrzeug und der zweite Wagen leider verloren. Im Laufe der letzten drei Jahre arbeitete die britische Firma Crosthwaite & Gardiner im Auftrag der Audi Tradition an einer möglichst originalgetreuen Replica des Lucca. Allerdings arbeitet hier nun eine sechs Liter große Variante des V16-Motors aus dem Auto Union Typ C im Heck, da es für diesen eine bessere Ersatzteilversorgung gibt. Zudem kommen bessere Kühler zum Einsatz, um den neuen Lucca möglichst alltagstauglich bei Veranstaltungen nutzen zu können. So wird der Wagen beispielsweise dieses Jahr beim Festival of Speed in Goodwood unterwegs sein.
Bilder: Audi
























