25 Jahre Audi TT

Eigentlich müsste dieser Text mit einer Klarstellung beginnen. Zumindest aber mit einer deutlichen Frage in Richtung Ingolstadt. Die Klarstellung müsste lauten: Der Audi TT ist bereits 28 Jahre alt. Immerhin debütierte das ursprüngliche Konzeptfahrzeug auf der IAA 1995. Und die klare Frage in Richtung des Autobauers lautet: Warum feiert man mit viel Tamtam ein Sportcoupé, das neue Kundenkreise erschlossen hat und ein Vierteljahrhundert Erfolgsgeschichte zusammengebracht hat und beschließt zugleich, es im selben Atemzug aus dem Modellportfolio zu streichen? Ja, richtig gelesen, der Audi TT ist dabei, seine letzten Atemzüge als Neuwagen zu machen. Ob man ihn also mag oder nicht, bald wird es ihn ab Werk nicht mehr geben.

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Diese Einstellung des „man mag ihn oder eben nicht“ zieht sich bereits seit den ersten Designzeichnungen durch die Laufbahn des TT. Chefdesigner Peter Schreyer und sein Team sollten Audi damals ein jüngeres Klientel erschließen. Was bot sich also besser an, als ein sportliches Zweisitzer-Coupé, von dem auch eine offene Roadster-Variante abgeleitet werden konnte? Tatsächlich zeigte sich der 1995 präsentierte Wagen bereits extrem dicht an der ab 1998 aufgelegten Serie. Das am deutlichsten ins Auge fallende Detail, das noch verändert wurde, ist die Seitenlinie, in die zusätzliche seitliche Scheiben hinter den Türen integriert wurde. Ansonsten war bereits alles vorhanden, was den späteren Erfolg des TT ausmachte: das kuppelförmige Dach, die betonten Kotflügel und die charakteristisch geformten Leuchten.

A timeless design icon: The Audi TT turns 25

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Offiziell ließ sich das Designteam vom Bauhaus-Architekturstil inspirieren. Besonders das vollkommene grafische Element, der Kreis, spielte eine große Rolle bei der Gestaltung von Ex- und Interieur. Der Modellname hingegen hat lange Markentradition. Ursprünglich steht TT für die Tourist Trophy, ein bis heute auf der Isle of Men ausgetragenes Motorradrennen, bei dem auch NSU und DKW mit ihren Motorrädern erfolgreich antraten. In den 1960ern übernahm NSU dieses Kürzel auch für die sportlichen Ableger des Kleinwagens Prinz. Bei Audi symbolisierte diese Bezeichnung ab 1998 die Abkehr vom 1994 eingeführten Einheitssystem, durch das der 80 zum A4 und der 100 zum A6 geworden war.

A timeless design icon: The Audi TT turns 25

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Als technische Basis diente dem TT wie auch der ersten A3-Generation die Frontantriebsplattform des VW Golf IV. Für die Fertigung entsteht im eigentlichen Motorenwerk in Györ in Ungarn eigens eine Produktionslinie, in die per Nachtzügen die lackierten Karosserien aus Ingolstadt angeliefert werden. Anfänglich gibt es zwei Vierzylinder-Turbomotoren mit 150 oder 225 PS, wobei die stärkere Variante ausschließlich mit dem quattro-Allradantrieb lieferbar ist. Ab 1999 ist auch der Roadster endlich lieferbar. Allerdings zogen alsbald dunkle Wolken über dem kleinen Sportwagen auf. Mehrere Hochgeschwindigkeitsunfälle überschatteten die Erfolgsstory. Wie sich schnell herausstellte, erwies sich die Aerodynamik des Coupés im Zusammenspiel mit dem Golf-Fahrwerk unter bestimmten Fahrbedingungen als kritisch. Audi schafft Abhilfe, indem auf dem Kofferraumdeckel eine Spoilerlippe nachgerüstet wird und zudem ESP serienmäßig für mehr Fahrsicherheit sorgt. Heute sind Erstserien-TT (Typ 8N) ohne Heckspoiler extrem selten zu sehen. Insgesamt enstanden bis 2006 178.765 Coupés und 90.733 Roadster der ersten Modellgeneration. Besonders gesucht sind der seltene TT quattro Sport (1.168 Exemplare, 240 PS) sowie der TT 3.2 quattro (als Coupé und Roadster, 250 PS).

A timeless design icon: The Audi TT turns 25

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Mit dem Wechsel des Golf IV zum Golf V ist absehbar, dass auch beim Audi TT eine Neuauflage anstehen würde. Generation zwei (Typ 8J) wächst abgesehen von der Höhe in allen Dimensionen, behält dabei jedoch das ikonische Design bei. Zudem sinkt das Gewicht durch konsequenten Leichtbau. Natürlich integriert Audi nun den für alle damaligen Modelle typischen Singleframe-Kühlergrill. Wieder liegen zwischen der Markteinführung des Coupés (2006) und der des Roadsters (2007) rund zwölf Monate. Auf Wunsch gibt es erstmals ein adaptives Fahrwerk mit Magnetic-Ride-Stoßdämpfern. Zudem heißt die anfänglich leistungsstärkste Version ab 2008 TTS. Sie holt aus einem zwei Liter großen Vierzylinder-Turbomotor 272 PS. Ein Jahr später folgt der 340 PS starke TT RS mit Fünfzylinder-Turbomotor. Von Ende 2012 bis Frühjahr 2014 bietet Audi zudem den TT RS Plus mit 360 PS an. Für Freunde bärigen Drehmoments und kleiner Tankrechnungen dieselt zudem ab 2008 der TT TDI mit 170 PS durch’s Motorenprogramm.

A timeless design icon: The Audi TT turns 25

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Mit der dritten TT-Generation gelingt es Audi erneut, das Leergewicht zu senken. In der Basisversion des TT Coupé stehen lediglich 1.230 Kilogramm auf der Waagenanzeige. Trotz weiter gewachsener Dimensionen bleibt auch hier das grundlegende Designkonzept erhalten. Technisch betrachtet ziehen diverse Innovationen in Coupé und Roadster ein. Erstmals gibt es das Virtual Cockpit als volldigitales Kombi-Instrument hinter dem Lenkrad. Ab 2016 sind OLED-Rückleuchten mit organischen LEDs lieferbar. Bei der Leistungspalette reicht der Horizont inzwischen beim TT RS an die 400-PS-Marke heran. Das 2,5 Liter große Fünfzylinder-Triebwerk der Topversion gewinnt neunmal in Folge den „International Engine of the Year“-Preis. In Europa geht die Erfolgsgeschichte aktuell mit dem auf 100 Exemplare limitierten TT RS Iconic Edition zu Ende.

A timeless design icon: The Audi TT turns 25

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Bilder: Audi